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16.08.2011 - Forschung / Wissenschaft / Umwelt / Universitäten / Wien

Schnitzel ist schlecht für die Umwelt

Aus welchen Nahrungsmitteln setzt sich unsere Kalorienaufnahme zusammen? Oben: derzeitige Ernährung, unten: empfohlene Ernährung (TU Wien)

 TU Wien

Utl.: Wer die Umwelt schonen möchte, sollte weniger Fleisch essen das sagt eine Studie der Technischen Universität (TU)  Wien. Erstmals wurden die ökologischen Vorteile umfassend untersucht, die eine ausgewogene Ernährung in Österreich bringen würde. Ein Umstieg auf Bio-Lebensmittel bringt vergleichsweise wenig=

Wien (COM) - Eigentlich wissen wir ja, wie ausgewogene Ernährung aussehen würde: Reichlich Getreide, Kartoffeln und Reis, dazu viel Gemüse, Fleisch dafür nur in geringerem Ausmaß. Trotzdem finden sich auf Österreichs Speisezetteln noch immer zu viele Fleisch- und Wurstprodukte. Professor Matthias Zessner (Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, TU Wien) hat nun gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam untersucht, welche ökologischen Auswirkungen eine ausgewogenere Ernährung in Österreich haben würde. Das Ergebnis: Gesunde Ernährung schont die Umwelt, spart Ressourcen und Anbaufläche. Auf Bio-Nahrung umzusteigen hat hingegen deutlich geringere ökologische und gesundheitliche Auswirkungen. Will man sich und der Umwelt etwas Gutes tun, ist der Griff zu frischem Obst und Gemüse viel wichtiger als jener  zum Bio-Fleisch.

Unser Essen braucht zu viel Fläche

Auch wenn Österreich ein grünes, fruchtbares Land ist, kann
unsere Natur nicht beliebig viele Menschen mit Nahrung versorgen.
3600 Quadratmeter Landfläche werden derzeit pro Person für die
Ernährung benötigt - ziemlich genau so viel, wie uns in Österreich
zur Verfügung steht. Allerdings entspricht die Aufteilung nicht
unserem Verbrauch: Österreich hat zwar ein Überangebot an Grünland,
dafür aber zu wenig Ackerfläche. Bei unseren derzeitigen
Ernährungsgewohnheiten bleibt uns also nichts Anderes übrig, als
Futtermittel zu importieren - etwa aus Brasilien. Zusätzliches
Ackerland lässt sich in Österreich kaum mehr gewinnen, meint
Matthias Zessner: "Die Flächen, die man sinnvollerweise als
Ackerland verwenden kann, sind bereits Ackerland." Ein
ressourcensparender Umgang mit Österreichs Anbauflächen ist also
wichtig.

Weniger Dünger, weniger Platzbedarf, weniger CO2

Was würde es für unsere Umwelt bedeuten, wenn sich die
österreichische Bevölkerung gesund ernähren würde? Diese Frage lässt
sich nur durch interdisziplinäre Forschung beantworten. Ermöglicht
wurde das breit aufgestellte Forschungsprojekt durch das
Förderprogramm proVISION des österreichischen
Wissenschaftsministeriums (BMWF). So untersuchte die TU Wien
gemeinsam mit der Österreichischen Vereinigung für
Agrarwissenschaftliche Forschung (ÖVAF), dem Institut für
Ernährungswissenschaften der Uni Wien und dem Energieinstitut an der
Johannes Kepler Universität Linz, welche Folgen es hätte, wenn sich
Österreich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung hielte. Der Konsum an Fleisch und Wurst müsste dazu etwa
halbiert werden, Gemüse und Getreide würden hingegen deutlich
häufiger auf Österreichs Tellern landen. "Das würde nicht nur
Krebsraten reduzieren und Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen, der
Flächenbedarf für die Ernährung würde durch ausgewogenere Ernährung
von 3600m² auf 2600m² pro Person sinken", erklärt Matthias Zessner.
Österreich könnte sich dann ohne Futtermittelimporte selbst
versorgen, es bliebe sogar noch zusätzliche Fläche übrig. Die
Umstellung würde zu einer Reduktion des Energieverbrauchs der
Nahrungsmittelproduktion und zu einem deutlich geringeren Bedarf an
Düngemitteln führen. Besonders relevant wäre der Rückgang an
klimaschädlichen Gasen: Etwa 10% unseres Ausstoßes an
CO2-Äquivalenten fällt in der Nahrungsmittelproduktion an. Eine
ausgewogene Ernährung würde etwa ein Drittel davon einsparen. Stark
profitieren würden auch unsere Gewässer, durch die sinkende
Belastung mit Stickstoff aus der Landwirtschaft.

Bio alleine bringt wenig

Gleichzeitig wurde in der Studie untersucht, welche Folgen ein
Umstieg auf Bio-Lebensmitteln hätte. "Die Auswirkungen in Hinblick
auf Energiebedarf, Ausstoß klimarelevanter Gase wie CO2 und Methan
und auf die Belastung von Gewässern mit Stickstoff und Phosphor
wären gering, und nicht unbedingt nur positiv", meint Matthias
Zessner. Die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln bedingt zwar einen
deutlich reduzierten Einsatz von potentiell umweltschädlichen
Pflanzenschutzmitteln, braucht aufgrund geringerer
Produktionsintensität aber mehr Anbaufläche. Das Platzproblem der
österreichischen Landwirtschaft und damit die Abhängigkeit von
Ackerflächen in anderen Erdteilen würde durch Bio-Produktion also
noch weiter verschärft. Einen weitreichenden Umstieg auf
Bio-Landwirtschaft könnten wir uns in Österreich überhaupt nur
leisten, wenn damit eine Reduktion des Fleisch- und Wurstkonsums
einhergeht.

Gesünder sind Bio-Lebensmittel auch nicht unbedingt: Was Vitamine
und andere wertvolle Inhaltsstoffe betrifft, gibt es keinen
eindeutig nachweisbaren Unterschied zwischen Bio-Landwirtschaft und
konventioneller Produktion. "Der einzige nachweisbare Unterschied
besteht in Rückständen von Pflanzenschutzmitteln", meint Matthias
Zessner. "Doch hier sind die gesetzlichen Grenzwerte so niedrig,
dass man auch bei Produkten aus der konventionellen Landwirtschaft
Österreichs keine Bedenken haben muss."

Zusätzliche Kennzahlen finden Sie unter:
http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/7087/

Rückfragehinweis: Prof. Matthias Zessner, Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, Technische Universität Wien, Karlsplatz 13, 1040 Wien, T: +43-1-58801-22616, mzessner (mailto:mzessner@iwag.tuwien.ac.at)@iwag.tuwien.ac.at (mailto:mzessner@iwag.tuwien.ac.at)

Aussender: Dr. Florian Aigner, Büro für Öffentlichkeitsarbeit,
Technische Universität Wien, Operngasse 11, 1040 Wien, T:
+43-1-58801-41027, florian.aigner
(mailto:florian.aigner@tuwien.ac.at)@tuwien.ac.at
(mailto:florian.aigner@tuwien.ac.at)

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