Logo der Universität Wien

Die Presse. 2002. 03.12. Tirol will Ethik auch im Regelschulwesen

Alternative zum Religionsunterricht: Landesschulratspräsident Mitterer will "Ethik" ausbauen. WIEN (hes). Ausgerechnet in dem als besonders katholisch geltenden Tirol hat sich der Ethikunterricht - anstelle des Religionsunterrichts - bewährt. Was im Schuljahr 1997/98 österreichweit in acht Schulen per Schulversuch begann, gehört in mittlerweile rund hundert Schulen zur Tagesordnung, 24 davon in Tirol. Der Präsident des Tiroler Landesschulrats, Sebastian Mitterer, spricht sich jetzt für ein Aufwertung des Ethikunterrichts aus. Der Idee nach soll der Ethikunterricht von Konfessionen unabhängig sein. Werte wie Grund- und Freiheitsrechte, Menschenrechte aber auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Religionen werden dort aufbereitet. Die Reaktion der katholischen Kirche in Tirol beschreibt Karl-Heinz Auer, Leiter der Akademielehrgänge Ethik am Pädagogischen Institut Tirol, als "nicht negativ". Die Möglichkeit, sich vom Religionsunterricht abzumelden, wurde auch seitens der Kirche als unbefriedigend bewertet. Der Ethikunterricht ist seither in den beteiligten Schulen automatisch für jene Schüler vorgesehen, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Abwählen kann man diese Alternative nicht. Die Notengebung erfolgt "ähnlich moderat" wie im herkömmlichen Religionsunterricht, erklärt Auer. Man bemühe sich, nicht strenger zu urteilen. Denn Schüler neigen dazu, von Fächern angezogen zu werden, die milder bewertet werden, und es solle keine Konkurrenz geben. Für Auer sind die vergangenen fünf Jahre Ethikunterricht ein "überwältigend positiver Erfolg", der durch "sehr hohe Akzeptanz" getragen wird. "Das Gebot der Stunde ist jetzt, den Ethikunterricht ins Regelschulwesen überzuführen. Das würde auch dem europäischen Trend entsprechen." Auer sieht hier den Zielparagraphen des Schulorganisationsgesetzes, der die Werteerziehung der Schüler an erster Stelle nennt, als "gesetzliche und moralische Verpflichtung", auch einen Ethikunterricht anzubieten. Um im Fach Ethik zur Matura zugelassen zu werden, muß man es die gesamte Oberstufe hindurch besucht haben. Ethik-Lehrer müssen sich einer drei- bis vierjährigen Ausbildung, die unterrichtsbegleitend erfolgt, unterziehen. Interessenten sind neben Theologen zumeist Deutsch-, Philosophie- oder Geschichtslehrer. Aus allen verwandten Studienrichtungen lassen sich einzelne Gebiete für die Ethik-Ausbildung anrechnen.

http://diepresse.com/home/diverse/bildung/246897/index.do

Forschungsstelle für Ethik und Wissenschaft im Dialog - FEWD
Universität Wien
Universitätsstr. 7, Stock 3
A-1010 Wien
T: +43-1-4277-474 71
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0