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Deadline für die Unterstützungserklärungen ist der 15.3.2012!

Digitale Unterschriftenliste unter http://www.g16.at/diverse/ethik

weiters nachfolgender Text als WORD Dokument für Unterschriften!

Betreff: Weiterführung des Ethikunterrichts am GRg16, Maroltingergasse 69-71

„Was ein Mensch für seine Gemeinschaft wert ist, hängt in erster Linie davon ab, inwieweit sein Fühlen, Denken und Handeln auf die Förderung des Daseins anderer Menschen gerichtet ist“ - Albert Einstein: Gemeinschaft und Persönlichkeit, 1934.

Eine moderne, von kultureller Vielfalt geprägte Gesellschaft benötigt Grundlagen, Formen und Verfahren des Zusammenlebens, die für alle Mitglieder einer solchen Gesellschaft gelten können. Da in unserer pluralistischen Gesellschaft eine erhebliche Wertevielfalt, Wertekonkurrenz sowie Wertekonflikte bestehen, da es kein tradiertes und wie selbstverständlich vermitteltes Werte- und Normensystem mehr gibt, müssen verbindliche Werte immer neu ausverhandelt werden, was nicht einfach ist. Jungen Menschen müssen daher Werte und ein entsprechendes Orientierungs- und Handlungswissen vermittelt werden, was der Staat verfassungsrechtlich sicherzustellen hat. Empathie, der Wille zu Kooperation, Achtung vor den Gedanken und Leistungen anderer, Konflikt- und Dialogfähigkeit, sowie die Fähigkeit zur Reflexion und Selbstreflexion sind Grundvoraussetzungen für die heutige Demokratie.

 

Aus diesem Grund gibt es seit 14 Jahren den Schulversuch Ethik.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

Aufgabe des Ethikunterrichtes ist es, kritisch in jene Denktraditionen und Lebensformen einzuführen, welche die Basis unserer Gesellschaft darstellen und die SchülerInnen intellektuell wie emotional zu befähigen, die zunehmend brisanter werdenden Debatten, z.B. über Konzepte zum Thema Gerechtigkeit, über den Umgang mit Unterschieden, über Grenzfragen des Lebens und Todes zu verfolgen, diese zu verstehen und letztlich - gemäß der Vernünftigkeit -  selbst in diese gestaltend einzugreifen.

Im Ethikunterricht geht es darum, SchülerInnen die Fähigkeit zur Reflexion und Selbstreflexion zu vermitteln und diese entsprechend einzuüben. Lust am Denken in Form von Fragenstellen zu entwickeln und Inhalte kritisch zu hinterfragen sind hierfür zentral. Es geht darum, neue Perspektiven kennenzulernen, die Gedanken anderer ernstzunehmen, sie nicht sofort zu bewerten, sondern sie in die eigene Überlegung einzubeziehen, zu untersuchen und zu prüfen. Auf diese Art sollen eigene Lösungen gefunden und begründet werden.

 

Der Ethikunterricht hat sich auch an unserer Schule eindeutig bewährt, was ein Feedback einer Schülerin der 5. Klasse aus dem Vorjahr deutlich zeigt: Mir ist aufgefallen, dass ich mir über alle Dinge und Handlungen viel mehr Gedanken mache und mir bewusst überlege, ob das richtig sein könnte und wieso. Der Ethikunterricht bietet mir Einblick in andere, durchaus nützliche Perspektiven, durch die ich gelernt habe, unterschiedlich auf gewisse Dinge zu schauen. Ethik hat Anteil an meinen Handlungen und bestimmt mit, warum ich etwas tue. Ich finde den Ethikunterricht sinnvoll, da man seine Handlungen reflektieren und so überprüfen kann, ob die Handlung richtig war.“

Es gibt den Schulversuch Ethik am GRg16 seit dem Schuljahr 2009/10. Er wurde und wird von den LehrerInnen aller Fächer befürwortet und von SchülerInnen und Eltern gut angenommen. Da aufgrund der Anzahl der Schüler, die sich für den Gegenstand Ethik anmelden, pro Jahrgang jeweils 2 Ethikgruppen angeboten werden müssen, bedeutet das, dass pro Jahrgang 4,2 Werteinheiten nötig sind. Die bisherige Art, diese zur Verfügung zu stellen, ist für das Schuljahr 2012/13 nach bisherigem Stand nicht mehr möglich.

Daraus ergibt sich die prekäre Situation, dass die im nächsten Schuljahr notwendigen 16,8 Werteinheiten nur durch Streichungen anderer Unterrichtsangebote gedeckt werden können, was dem Lehrkörper nicht vertretbar erscheint. Somit kann der Ethikunterricht ab dem kommenden Schuljahr - auch für SchülerInnen, die ihn bereits besuchen,- nicht mehr weitergeführt werden.

Da der Ethikunterricht jedoch nach 14 Jahren Schulversuch und entsprechender Evaluation offenbar doch in Bälde wie mittlerweilen in allen Staaten der Europäischen Union ins Regelschulwesen übernommen werden soll – Bundesministerin Schmied soll laut Entschließungsantrag der Regierungsparteien dem Nationalrat bis 1.10.2012 mögliche Modelle für den Ausbau des Ethikunterrichts vorlegen - halten wir es für die Verantwortung der Schulbehörde, dem GRg16 die notwendigen Ressourcen bis zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, um damit dem Bildungsauftrag gerecht zu werden.

Die Unterzeichneten fordern die Bereitstellung der notwendigen Werteinheiten zur Aufrechterhaltung des Ethikunterrichts am GRG16.

Forschungsstelle für Ethik und Wissenschaft im Dialog - FEWD
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