Logo der Universität Wien

Bundessprecherin Mag. Brigitte Jakob - Leserbrief zum Ethikunterricht in Salzburger Nachrichten 2015.10.12 zum Leitartikel  vom 12.9.2015

„Es gibt viel zu lernen über das Wahre, Gute, Schöne“

Herr Bruckmoser bemerkt sehr richtig die Herausforderungen an die Schule,  an unser Bildungssystem und letztlich die Lehrenden: In §2 des Schulorganisationsgesetzes ist die moralisch-ethische Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu aufgeschlossenen, mündigen Bürgern und Bürgerinnen angesprochen. In der Praxis jedoch strudeln sich die Schulen mit knapper werdenden Mitteln und wachsenden Ansprüchen aus der Gesellschaft ab. Den einzelnen Fächern werden die Stunden gekürzt, sodass kaum der Lehrstoff durchzubringen ist. Wo bleibt Raum für Wertediskussionen und ethische Entscheidungsfindungen?

Aber da gäbe es doch den Ethikunterricht! An vielen höheren Schulen bereits durchgeführt, aber seit 18 (!) Jahren noch immer als Schulversuch und nicht im Regelunterricht. Wie Univ. Prof. Dr. Anton Bucher dazu meint: „pädagogisch überfällig – politisch verschleppt“.

An dieser Stelle möchte ich ein bisschen am Schwanz der  „Heiligen Kuh“ ziehen:  Das einzige Schulfach, das in den letzten Jahrzehnten nicht von Kürzungen betroffen war, ist der Religionsunterricht.  Das Konkordat, erstellt 1933, sichert das ab, was zu der Situation geführt hat, dass in einer Klasse bis zu vier Religionsgruppen (röm.-kath., protestantisch, orthodox, islamisch) von vier staatlich bezahlten Lehrer und Lehrerinnen unterrichtet werden… Diese Privilegien sind nicht mehr zeitgemäß.  Ist das Konkordat in Stein gemeißelt oder können wir es zur Diskussion stellen, zumindest in Teilen?

Mit einem Ethikunterricht, der alle Schülerinnen und Schüler, egal  welcher Konfession,  einbindet, können wir uns den geänderten demografischen Voraussetzungen und aktuellen Herausforderungen (Flüchtlingskrise, Wirtschaft, Demokratie…) stellen.

Forschungsstelle für Ethik und Wissenschaft im Dialog - FEWD
Universität Wien
Universitätsstr. 7, Stock 3
A-1010 Wien
T: +43-1-4277-474 71
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0