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Pflegeethik

 

Gesellschaftliche, technische und demographische Entwicklungen unserer Gesellschaft haben zur Folge, dass sich die organisatorischen, fachlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Pflegepersonen radikal transformieren. Der Bedarf an professionell erbrachter Pflege steigt kontinuierlich an, die Technisierung der Krankenhäuser erhöht die Intensität und Komplexität der pflegerischen Tätigkeit und wirft neue Fragestellungen auf, insbesondere im Grenzbereich der Pflege von schwerst- und todkranken Menschen.

Parallel zu diesen Veränderungen ist eine fortschreitende Pluralisierung der Lebensweisen und Werthaltungen zu beobachten. Der ärztliche Primat in ethischen Fragen innerhalb des Gesundheitswesens wird brüchig. Zwar ist und bleibt der Handlungsradius der Pflege mit dem der Medizin eng verknüpft, und zwar durch die mit Diagnose und Therapie vorgegebenen Arbeitsinhalte. Doch manifestieren sich ethische Fragestellungen im Handlungsfeld der Pflege auf eine andere Art und Weise als in der ärztlichen Tätigkeit. Nicht zuletzt muss die Pflege den eigenständigen Aufgaben- und Verantwortungsbereich unter Offenlegung ihrer Wertmaßstäbe selbst definieren, wie es 1997 im Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegegesetz verankert wurde.

Eine Ethik der Pflege, die der aktuellen gesellschaftlichen Situation Rechnung tragen soll, darf die Ausgrenzungstendenzen mancher modernen Ethikkonzepte und die vorhandene Machtfragen der modernen westlichenunserer Gesellschaften nicht aus den Augen verlieren. Sie muss wie es Martin Schnell (2008: 15) formuliert „als nichtexklusiver Schutzbereich gedacht und praktiziert werden.“

Text verfasst von Mag. Dr. Doris Pfabigan  doris.pfabigan@univie.ac.at

 

 

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