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Naturalismus in Philosophie und Ethik
(Auswahl an Originaltexten im PDF-Format, mainly in English!)

Übersichtstexte zum Themenkomplex Naturalismus finden sich in allen akademischen Lexika der Philosophie und Ethik. Eine  inzwischen "klassisch-moderne" und prägnante Kurzdefinition findet sich bei David Armstrong .
"Der Naturalismus. Dieser Ausdruck, der häufig einen epistemischen Beigeschmack hat, wird hier für eine ontologische Lehrmeinung in Anspruch genommen. Hier geht es um die Frage, ob die Welt, d.h. die Gesamtheit aller Entitäten, das raumzeitliche System und nicht mehr ist."

Eine Definition ähnlich bei Hilary Putnam   " ... the terms physicalism and naturalism have become virtually synonymous with materialism in analytic philosophy.“ Eine beinahe poetische Beschreibung findet sich bei Simon Blackburn 1998. Ruling Passions  „Ein Naturalist zu sein bedeutet, die Menschen als zerbrechliche Gebilde aus verderblichem Gewebe und so als Teil der natürlichen Ordnung zu sehen.
Nicht besonders überraschend ist daher das wohl die Mehrzahl der DenkerInnen in der analytischen Philosophie dem Diktum Daniel Dennetts "We are all materialists today, ..." zustimmen würden. Eine noch immer grundlegende Sammlung relevanter moderner Texte findet sich erstmals in der Anthologie "Contemporary Materialism. A Reader"

Verständlicherweise stehen die verschiedenen Formen des Naturalismus im Zentrum teilweise heftiger philosophischer Diskurse und Gegnerschaften vgl.
Quitterer, Josef / Runggaldier, Edmund (eds.) 1999. Der neue Naturalismus - eine Herausforderung an das christliche Menschenbild. Stuttgart, Kohlhammer.
Neuner, Peter (ed.) 2003. Naturalisierung des Geistes - Sprachlosigkeit der Theologie? Die Mind-Brain-Debatte und das christliche Menschenbild. Freiburg, Herder. 

Die Naturalisierung des Menschen hat auch fundamentale Relevanz für den in der Ethik zentralen Begriff der Person. Von Seiten theologischer DenkerInnen wird dieses Naturalisierungsprojekt ausgehend von R. Carnap über W.V.O. Quine bis hin zu D. Lewis, D. Parfit, M. Tooley und P. Singer als oftmals dominierendes anglo-amerikanisches Argumentationsmodell betrachtet.  

Nicht zu vergessen ist weiters die bereits historische "Allianz" der Naturalismusgegner wie es z. B. der Phänomenologe Edmund Husserl in einem Brief an den Neo-Kantianer Heinrich Rickert mit klaren Worten darlegt ""Wir als Bundesgenossen gegen den Naturalismus als unseren gemeinsamen Feind"

Daher auch die richtige und wiederholt vorgebrachte Diagnose des Theologen Bernd Goebel "Die Trennlinie zwischen den Naturalisten und ihren ausgesprochenen und unausgesprochenen Gegnern ist eine der großen Wasserscheiden der Philosophie, der immer mehr Aufmerksamkeit zuteil wird."

Vorweg finden sie hier im PDF-Format einen der aktuell besten deutschsprachigen Aufsätze zur Verteidigung eines ontologischen Naturalismus -
Schulte, Peter 2010. Plädoyer für einen physikalistischen Naturalismus. Zeitschrift für philosophische Forschung. 64: 165-189.

Schulte, Peter 2012. Naturalismus: Perspektiven und Probleme. Information Philosophie 40 (5): 18-32.

Ergänzend sei noch auf den Text von Martin Mahner "Unverzichtbarkeit und Reichweite des ontologischen Naturalismus" hingewiesen.Für den privaten Gebrauch finden sie online eine kleine Auswahl allgemeiner Texte zum Thema Naturalismus im PDF-Format von der FEWD zusammengestellt.

Speziell zum Thema Naturalismus und Ethik bieten die Übersichtstexte von Dirk Koppelberg und  Nicolas Sturgeon und umfassender noch James Lenmann in der Stanford Encyclopedia of Philosophy grundlegende Information. Einen teilweise guten Überblick bietet auch der deutschsprachige Sammelband - Schmidt, Thomas / Tarkian, Tatjana (eds.) 2011. Naturalismus in der Ethik. Paderborn, Mentis. - amazon.de. Speziell zu Aristoteles - Kallhoff, Angela 2010. Ethischer Naturalismus nach Aristoteles (Habilitation 2008). Paderborn, Mentis.

Zentral auch die These von Joyce, Richard 2006. The Evolution of Morality. Cambridge, Cambridge University Press. Page  187 “Even those who are usually thought of as “ non- reductive moral naturalists” should agree that  every token instantitation of a moral property is identical to a token instantitation of a cluster of naturalistic properties. This, it would appear, is enough to make them reductive moral naturalists in Harman’s broad sense.”

Eine umfassende Bibliographie zum derzeit wohl meistdiskutierten philosophisch/ethischen Werk - Parfit, Derek 2011. On What Matters. Two Volume Set (Berkeley Tanner Lectures). Oxford, Oxford University Press.

Weiters finden sich alle relevanten Besprechungen zu Nagel, Thomas 2012 Mind and Cosmos. Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature Is Almost Certainly False. auf einer Seite zusammengestellt. Und bei Oxford University Press erschien zur Forschung der weltweit führenden naturalistischen Philosophin Ruth Millikan ein umfassender Sammelband.

Zu den verschiedenen Aspekten des Naturalismus wurde ein umfangreicheres FEWD Bibliographie Naturalismus als Word Dokument erstellt - bei Interesse Email an erwin.lengauer@univie.ac.at  - Letztes Update 2015.09.06

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